Bestände (Populationen) gefährdeter Pflanzenarten sollten in genau definierten Zeitabständen im Feld kontrolliert werden (Anzahl Pflanzen, Vitalität, Verjüngung; usw.), damit negative Veränderungen innerhalb des Bestandes oder der Umgebung sofort erkannt und die nötigen Schutzmassnahmen sofort eingeleitet werden können. Besonders bei Artenschutzprojekten ist eine solche Überwachung unerlässlich: nur so können die durchgeführten Massnahmen (Pflege des Biotops, Wiederansiedlung, usw.) auf ihren Erfolg hin überprüft und wenn nötig angepasst werden. Wichtig ist, diese Kontrollen nach einer einheitlichen Methode durchzuführen, um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse - unabhängig des Jahres, des Orts und der bearbeitenden Person – zu gewährleisten.

Zurzeit werden in mehreren Kantonen von Fachpersonen, zum Teil mit Hilfe von AmateurbotanikerInnen, Bestände von gefährdeten Wildpflanzen beobachtet und aufgenommen. Die gewählte Methode steht meist im Zusammenhang mit der Art, dem Wuchsort und der verantwortlichen Person bzw. den zur Verfügung stehenden Mitteln. Je nach dem wird ein wissenschaftliches Monitoring gewählt oder ein vereinfachtes Monitoring mit Paten (Freiwilligen), bei welchem nur die wichtigsten Parameter aufgenommen werden. Das wissenschaftliche Monitoring erlaubt, an Hand von statistischen Auswertungen, Ursachen der Bestandes- und Struktur-Veränderungen zu eruieren, was die Kenntnisse über die Art sowie die Erhaltungsmassnahmen verbessert. Mit dem vereinfachten Monitoring können eine grössere Anzahl von Arten bzw. Beständen untersucht und rasch konkrete Aktionen eingeleitet werden.

Welche Methode auch immer gewählt wird, es ist wichtig, dass die Ergebnisse der SKEW und dem Zentrum des Datenverbundnetzes der Schweizer Flora (ZDSF) zukommen. Zu diesem Zweck kann ein neutrales Protokollblatt ausgefüllt werden. Die Angaben werden jährlich der SKEW zugesandt, die sie anschliessend dem ZDSF weiterleitet. Somit werden die Daten zentralisiert erfasst, und die Koordination zwischen den verschiedenen Stellen ist gewährleistet.

Informationen und Beispiele zur Dauerbeobachtung gefährdeter Pflanzenarten nach verschiedenen Methoden (wissenschaftlich bzw. mit Paten) finden Sie unter: Zürich, Aargau, Coordination régionale pour la protection de la flore (FR-GE-NE-VD). In mehreren weiteren Kantonen werden Arbeiten in dieser Richtung durchgeführt, deren Ergebnisse aber noch nicht auf dem Internet verfügbar sind.


Arbeiten der SKEW

- Konzept für ein standardisiertes Monitoring von gefährdeten Pflanzenarten, 2002
Im Auftrag der SKEW hat Christoph Käsermann dieses Konzept aufgrund von Literaturrecherchen und Expertenbefragungen erarbeitet. Der ausführliche Bericht, der beim Sekretariat bestellt werden kann, enthält neben Grundinformationen eine Methodenbeschreibung zu:

  • Minimalprogramm (stets durchzuführende Untersuchungen), nach Käsermann:
  1. Auszählen/Schätzen der Bestandesgrösse
  2. Vegetationsaufnahme
  3. Ausfüllen des Protokollblattes und Photodokumentation
  4. Markierung – Versicherung
  • Ergänzende Untersuchungen:
  1. Aufnahme der Konkurrenzarten
  2. Bestimmung der Fertilität und der Altersstruktur innerhalb der Population
  3. Notieren wichtiger Wuchsmerkmale


- Erprobung des Konzepts für ein standardisiertes Monitoring im Feld, 2002-2004
Um das Konzept von C. Käsermann auf seine Praxistauglichkeit hin zu prüfen, wurde es von Verena Doppler im Feld erprobt. Als Testpflanzen wurden Arten mit verschiedenen Wuchsformen gewählt: Campanula cervicaria, Gratiola officinalis, Hottonia palustris, Inula helvetica, Spiranthes aestivalis, Stachys annua, Thymelaea passerina.
Im Schlussbericht 2005 von V. Doppler, der beim Sekretariat bestellt werden kann, sind die durchgeführten Arbeiten und deren Resultate sowie die Schlussfolgerungen zusammengefasst. Aus ihnen geht hervor, dass diese Methode sehr zeit- und kostenaufwändig ist und zudem nur von Fachleuten durchgeführt werden kann. Daher wurde vom zweiten Jahr an nach einer einfacheren, kostengünstigeren Lösung gesucht und so auf den Projektvorschlag "Monitoring mit Patenschaften" von C. Käsermann zurückgegriffen.

- Monitoring mit Patenschaften

Dafür wird pro Kanton oder Region eine Gruppe mit freiwilligen AmateurbotanikerInnen (Paten und Patinnen) gebildet, welche die Patenschaft für einen oder mehrere Bestände gefährdeter Pflanzenarten übernehmen. Die Gruppe wird von einer Fachperson geleitet, die von der betreffenden kantonalen Naturschutzfachstelle anerkannt werden muss, da sie mit ihren zahlreichen Aufgaben eine grosse Verantwortung hat. Für diese Methode hat Verena Doppler kurze artspezifische Protokollblätter entwickelt, welche für jede Art genau definierte Parameter enthalten.

Das „Monitoring mit Patenschaften“ ist 2004 als Test in den Kantonen AG und ZH in Zusammenarbeit mit ausgewählten Fachleuten und Paten und unter der Anwendung der artspezifischen Protokollblätter eingeführt worden und hat sich bewährt. Zurzeit wird die Methode in den Kantonen Aargau, Bern und Zürich benützt.
Weitere Kantone oder Regionen sind am "Monitoring mit Patenschaften" interessiert. Damit der Vergleich der Resultate gewährleistet ist, braucht es ein überregionales, einheitliches Vorgehen. Das SKEW-Sekretariat ist bereit, die Informationen zu dieser Methode über ihre Homepage zu koordinieren. Dadurch soll nicht nur der Erfahrungsaustausch gefördert werden, es soll auch verhindert werden, dass unterschiedliche Protokollblätter für die gleiche Art entstehen. Damit die SKEW diese Aufgabe wahrnehmen kann, muss sie die ausgefüllten Protokollblätter und die neu erarbeiteten Protokollblätter so schnell als möglich erhalten.

Für die einheitliche Anwendung der Methode stehen bei der SKEW die folgenden Dokumente zur Verfügung:

- Unterlagen für die Fachperson

- Unterlagen für die Paten/Patinnen

- Liste der artspezifischen Protokollblätter und der Autoren / Autorinnen

- Neutrales Protokollblatt für das Monitoring